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Am Meer wohnen, die Sonne genießen und jeden Tag Surfen. So stellen sich die meisten von uns den Traum vom Auswandern vor.  Wie man richtig auswandert und warum die Leidenschaft zum Wellenreiten ein Leben komplett verändern kann, erfahrt Ihr hier aus erster Hand.

Zum Auswandern gehört viel mehr als nur der bloße Traum vom schönen Surferleben. Eine ordentliche Portion Glück, Timing, Durchhaltevermögen und Leidensfähigkeit gehören auch dazu.

Sven Engelmann

Wir haben den wohl bekanntesten deutschen “Sagres-Auswanderer” interviewt und nachgefragt, wie es für Ihn war,  seiner Heimat Landshut den Rücken zu kehren und sich ein neues Leben am Ende der Welt aufzubauen. Die Leidenschaft zum Surfen hat Sven Engelmanns ganzes Leben bestimmt und das ist auch gut so findet der heute 39 jährige leidenschaftliche Surfer.

Ich habe Sven vor ein paar Jahren kennengelernt, als ich in Sagres einen Freund besucht habe, der dort ein paar Monate verbrachte, um sich von seinem stressigen Agentur-Alltag zu erholen. Sven war damals Besitzer der sagenumwobenen “Warung” Bar, die für so manchem Surf-Reisenden zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Warung Bar

Mittlerweile heißt die Bar nicht mehr Warung, sondern Three little Birds und Sven steht auch nicht mehr hinter dem Tresen – aber in Sagres wohnt er immer noch und statt hinter dem Tresen zu stehen, steht er jetzt eben davor und kümmert sich nebenbei auch noch um die Gäste der Pure Surflodge.

Vor ein paar Monaten war Sven mal wieder in Deutschland zu Besuch bei seinen Schwiegereltern in Spe, am schönen Ammersee. Diese Chance haben wir genutzt um uns auf ein Augustiner einzuladen und die ganze “Sven Engelmann Story” von Beginn an und von Sven himself zu hören.

An der Eingangstür wartet Sven schon, natürlich in einem FC Bayern Trikot und mit einer Flasche Augustiner in der Hand – wenn man schon mal Daheim ist, muss man das schließlich auch zelebrieren! Die Entscheidung, das Interview während eines ausgiebigen Frühshoppen zu führen, war also schnell gefällt…

Sven & seine treue Begleiterin Rookie
Sven & seine treue Begleiterin Rookie

Interview: Sven Engelmann

Landshut und Surfen, wie bitte passt das zusammen? Erzähl doch einfach mal wie Du zum Surfen gekommen bist und wann es Dich nicht mehr losgelassen hat.

Als ich 16 Jahre alt war, habe ich über einen damaligen Banknachbarn in der Schule, einen Typen namens Mike kennengelernt. Mike war damals bereits über das Windsurfen zum Wellenreiten gekommen und hatte mit seinem umgebauten Bus bereits mehrere Kontinente bereist. Nach einem gemeinsamen Absturz in einer der Landshuter Bar, hat Mike mich in seinem ausgebauten Bus nach Hause gefahren. Ich bin an diesem Abend zum ersten mal in meinem Leben in einem umgebauten “Surfbus” gesessen. Der ganze Bus war voller Surfbilder, NOFX tönte durch die Boxen und ich war einfach nur total stoked und dachte mir – woah ist der Typ cool.

Ich hatte das Gefühl, dass die Stories die Mike mir von seinen Surftrips erzählte und das Lebensgefühl das er mir damit vermittelte, genau das waren nachdem ich gesucht hatte, ohne es zu wissen. Für mich war auf jeden Fall klar, dass ich Wellenreiten unbedingt ausprobieren wollte. Allerdings gab es damals, ich schätze es war ca. 1996, noch keine wirklichen Surfcamps oder sonstigen Angebote für ambitionierte Landshuter-Surfer-Buam wie mich.

Sven genießt den Feierabend
Sven genießt den Feierabend

Nach dem Abschluss meiner Ausbildung hatte ich dann einen Monat Urlaub, bevor ich direkt meinen Zivildienst antreten musste. Wie es der Zufall so will, sind ein paar Freunde von mir genau zu dieser Zeit mit zwei Bussen nach Marokko gefahren, um dort ein paar Wochen Urlaub zu machen. Ein Platz war noch frei und schon befand ich mich auf meinem ersten “Surftrip” und war sofort angefixt. Ich habe zum ersten mal den “Surfer-Traum” gelebt. Drei Busse, Lagerfeuer und viel Zeit auf dem Wasser.

Nach dem Zivildienst und drei Surfurlaube später war es in Fuerteventura dann Zeit für ein eigenes Brett, welches mir etwas später am Tag direkt vom Auto geklaut wurde. Viel wichtiger aber war die Tatsache, dass ich zwischen Kauf und Diebstahl meine erste grüne Welle hatte. Danach wusste ich einfach, ich muss Wellenreiten lernen und besser werden – einfach eine Art Sehnsucht oder Drang der so stark war, dass ich kurzerhand meinen Job gekündigt, meine Wohnung vermietet und meinen zuvor erworbenen Bus fertig ausgebaut habe. Damit bin ich in Richtung Meer aufgebrochen. Kannst Dir ja vorstellen wie sich meine Eltern gefreut haben.

camper
Sven in seiner ersten Wohnung an der Algarve

Und dann bist Du direkt nach Sagres oder wie bist Du auf die kleine Perle an der Algarve gestoßen? 

Naja mein erster Versuch Landshut den Rücken zu kehren, war nicht ganz von Erfolg geprägt. Auf dem Weg von Marokko nach Irland lag naturgemäß Frankreich dazwischen und damit verbunden ein sehr unangenehmer Unfall, der mich einen Haufen Geld gekostet hat. Nach neun Monaten hab ich dann den Trip abgebrochen und bin in ein tiefes Loch gefallen. Zwar bin ich glücklich via Leberkässemmel schnell zu einem neuen Job gekommen, aber die Vorstellung 15 Stunden für das nächste Surfabenteuer fahren zu müssen, ging einfach gar nicht. Nach vielen unbezahlten Urlauben und Wintern in Marokko bin ich dann, nach einem kurzen Stopp in Tarifa, zu guter Letzt in Sagres gelandet.

Warum wolltest Du unbedingt in Sagres bleiben? Was ist das Besondere an Sagres?

Im Prinzip waren es die Leute. Mir war aber auch schnell klar, dass ich einen Job brauche. Man verfällt schnell in einen Trott, macht nur noch Party und geht Surfen. Es war mir aber wichtig unabhängig zu bleiben und vor allem wollte ich dieses Mal etwas länger bleiben.

Also bin ich losgezogen und habe für den bevorstehenden Sommer einen schlecht bezahlten Job in einer der lokalen Bars bekommen. Als nächstes bin ich dann nach 1 1/2 Jahren aus meinem Bus ausgezogen und in eine feste Wohnung eingezogen. Nach der zweiten Saison in der Babylon Bar habe ich dann aus Zufall die Besitzer der Warung kennengelernt und gemeinsam mit einer deutschen Bekannten habe ich dann die Warung Bar übernommen.

Eine echte Schönheit diese Welle
Eine echte Schönheit diese Welle

Hast Du es jemals bereut, dass Du ausgewandert bist?

Nee, Null – Nie! Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich kann es nur jedem empfehlen der langfristig mit dem Thema “Surfen” zu tun haben will. Du musst einfach am Meer leben, sonst kommst Du irgendwann nicht weiter. Du kommst irgendwann zu dem Punkt, bei dem es Dir nicht mehr reicht ein oder zwei Monate am Meer zu verbringen.

Hat Surfen für Dich heute noch den gleichen Stellenwert wie damals?

Surfen hat für mich definitiv den gleichen Stellenwert wie zu Beginn, aber ich bin bei weitem nicht mehr so zwanghaft. Wenn Du am Meer lebst, musst Du nicht bei allen Bedingungen auf´s Wasser. Es ist einfach gut zu wissen, dass Du jederzeit Surfen gehen kannst wenn Du möchtest und nicht in zwei Wochen wieder im Flieger nach Deutschland sitzt.

Was glaubst Du wäre passiert, wenn Du Mike damals nicht getroffen hättest und Surfen nicht zu einem Teil deines Lebens geworden wäre?

Ich wäre komplett tätowiert, dick und würde nur auf Punkrock- und Hardcore-Konzerten rumhängen. Sport wäre ganz weit weg und ich schätz mal ich wär ziemlich frustriert und depressiv.

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Also kann man sagen, dass sich dein Leben durch das Surfen in eine positive Richtung entwickelt hat?

Absolut! Am Anfang haben mich viele Freunde für verrückt erklärt und konnten nicht verstehen, dass ich aus Landshut weg wollte und das Surfen für mich eine so wichtige Rolle spielte. Mittlerweile weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Surfen hat mich immer angetrieben und mich dazu gebracht mein Leben so zu leben, wie ich es möchte und gut finde.

Du selbst warst ja in der Gastro tätig und arbeitest jetzt auch für Pure Surfcamps. Das heißt Du lebst von den Touristen die nach Sagres kommen aber als Surfer kann einem der “Surf-Boom” schon etwas auf den Senkel gehen, oder? Hast Du Ansgt davor, dass es Sagres bald so ist wie in Hossegor zum Beispiel? Also Slalom fahren und mit 100 anderen Surfern im Line-Up sitzen?

Klar nervt es mich manchmal und wer hätte nicht gerne das komplette Line-Up für sich. Aber wenn man, wie Du sagst, vom Surf-Tourismus abhängig ist, bleibt dir nix anderes übrig als mitzuspielen. Jeder von uns profitiert von den Urlaubern die nach Sagres kommen – bei allem Idealismus muss auch ich meine Rechnungen begleichen. Wichtig dabei ist es, das Surfen in eine gute Richtung zu lenken. Damit meine ich, dass es nach wie vor einfach ein paar Secret Spots gibt, die auch nicht für Surfcamps zugänglich sind.

Ich blogge auf meiner Website regelmäßig über diverse Spots und wie gut es dort gerade läuft. Die Folge war, dass direkt am nächsten Tag das Line-Up komplett überfüllt war. Das werde ich in Zukunft einfach etwas anders timen, da sich die Begeisterung bei den Locals über solche Aktionen sehr in Grenzen hält.

War es für Dich als deutscher Surfer schwer in der Szene in Sagres Anschluss zu finden?

Nein, überhaupt nicht. Ehrlich gesagt gab es damals überhaupt keine Surfszene. Als ich nach Sagres gekommen bin, gab es eigentlich nur ein paar vereinzelte Bodyboarder und die waren natürlich erstmal nicht so erfreut über deutsche Surfer, mit denen Sie sich das Line-Up teilen mussten. Im Endeffekt hat sich aber alles dann schnell wieder beruhigt.

Irgendwo in Portugal
Irgendwo in Portugal

Sven, wenn Du in einem Satz sagen müsstes was Surfen für Dich bedeutet…

Surfen ist für mich die größte Bereicherung in meinem Lebens. Vally ist davon natürlich ausgenommen – das ist nämlich die größte Liebe meines Lebens.